Die Befragung prokrastinierender Studenten brachte zum Vorschein, dass diese sich selbst so einschätzten, dass sie in der Woche etwa 36 Stunden für das Studium lernten, aber Protokolle ergaben, dass es nur etwa 23 Stunden waren. Der Hinweis, dass bei Aufschiebenden die Selbstwahrnehmung verzerrt ist, tauchte auch hier im Forum schon öfters einmal auf: Am Ende des Tages hat man oft das Gefühl, aus dem Stress nicht herausgekommen zu sein, während man aber effektiv nur ein paar Minuten hier und da herumgewurstelt hat (und alles natürlich nur halbherzig).
Eine erste Übung, bevor man mit irgendwas anderem anfängt, könnte es also sein, sich mindestens eine Woche lang zuerst selbst zu beobachten:
- Wann wollte ich aufstehen, und wann stand ich wirklich auf? - Was wollte ich tun, und was habe ich dann tatsächlich getan? - Wie lange glaubte ich, dass es dauern würde, und wie lange hat es gedauert? - Wann wollte ich mit einer angenehmen Tätigkeit (z.B. Fernsehen, PC, Nickerchen) aufhören, und wann habe ich tatsächlich aufgehört? - Wann wollte ich spätestens fertig sein, und wann wurde ich fertig (falls man fertig wurde) - Wann wollte ich schlafen gehen, und wann ging ich tatsächlich schlafen? - Wieviele Stunden habe ich effektiv etwas getan?
Man sollte versuchen, das wertfrei zu machen, als eine Art Bestandsaufnahme. Wer mag, kann auch gerne hier im geschlossenen Betroffenenbereich ein Tagebuch damit eröffnen, dass er sich über einige Tage dabei beobachtet, und somit - das wäre Sinn und Zweck der Übung - sich selbst auf die Schliche kommt: - Welche Gedanken gehen mir dabei durch den Kopf, und wie rechtfertige/begründe ich das Aufschieben vor mir selbst? - In welcher Körperhaltung befinde ich mich dabei/was tue ich in dem Moment, wo ich beschließe, etwas aufzuschieben? - Was tue ich stattdessen? - Wie fühle ich mich, wenn ich endgültig beschlossen habe, eine Arbeit auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben? - Was hält mich davon ab, zu einer sinnvollen, "normalen" Zeit ins Bett zu gehen? - Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich eigentlich einschlafen sollte?
Die Idee ist also, sich zuerst beim "Brechen der Vereinbarungen" zu beobachten und gewissermaßen kennenzulernen - um zu verstehen, dass man tatsächlich verhandelt, und zwar quasi ununterbrochen. Bewusst wahrzunehmen, dass man ständig damit beschäftigt ist, Entscheidungen zu treffen, etwas nicht zu tun (was furchtbar stresst) - von sich selbst zu hören, warum man es nicht tun will - um somit herausfinden zu können, was demzufolge bessere Angebote an sich selbst sein müssten, damit man sich doch entscheidet, es endlich (rechtzeitig) zu tun.
Man muss ausprobieren. Vom nachdenken, lesen und schreiben alleine passiert nichts.